Betriebliches Gesundheitsmanagement in Immobilienunternehmen: Gesundheit wird zum strategischen Faktor für Leistungsfähigkeit und Arbeitgeberattraktivität
Der Haufe-Beitrag zeigt anhand mehrerer Unternehmen der Wohnungs- und Immobilienwirtschaft, wie Betriebliches Gesundheitsmanagement (BGM) über einzelne Gesundheitsaktionen hinaus zu einem festen Bestandteil der Unternehmensorganisation werden kann. Die zentrale These lautet: Viele Unternehmen verfügen bereits über zahlreiche Gesundheitsangebote, aber erst ein systematischer Rahmen aus Bedarfsanalyse, Steuerung, Führung und kontinuierlicher Weiterentwicklung macht daraus ein wirksames BGM. Haufe.de News und Fachwissen
Gerade die Immobilienwirtschaft ist mit sehr unterschiedlichen Belastungen konfrontiert. Im technischen Service, bei Instandhaltung und Modernisierung dominieren körperliche Belastungen durch Heben, Tragen und Montieren. In Verwaltung, Bestandsmanagement und Kundenservice nehmen dagegen psychische Belastungen zu. Haufe nennt insbesondere Arbeitsverdichtung, komplexere rechtliche Anforderungen, konfliktreiche Mieterkommunikation, mobile Arbeit, digitale Dauererreichbarkeit und hybride Arbeitsmodelle. Hinzu kommen alternde Belegschaften und Schwierigkeiten bei der Nachwuchsgewinnung. Haufe.de News und Fachwissen
Gewoba: BGM beginnt mit einer regelmäßigen Gesundheitsbefragung
Als erstes Praxisbeispiel wird die Gewoba aus Bremen vorgestellt. Dort existiert seit 2014 ein strategisches Gesundheitsmanagement. Ausgangspunkt ist eine regelmäßige unternehmensweite Gesundheitsbefragung, aus der die jeweiligen Jahresschwerpunkte abgeleitet werden. Haufe.de News und Fachwissen
Besonders gefragt sind Angebote zu Stressbewältigung, Teamgesundheit, Immunsystem, Ernährung und Schlaf. 2025 lag ein zusätzlicher Schwerpunkt auf medizinischen Untersuchungen und Screenings zur Früherkennung gesundheitlicher Risiken.
Die Größenordnung zeigt, dass es sich nicht nur um einzelne Gesundheitstage handelt: 2025 wurden 137 Maßnahmen mit insgesamt 2.168 Teilnahmen durchgeführt. Fast alle Angebote waren ausgebucht, teilweise mussten Zusatztermine eingerichtet werden. Bei einigen Screenings ergaben sich Verdachtsbefunde, die anschließend medizinisch weiter abgeklärt wurden. Haufe.de News und Fachwissen
Gerade dieser Ansatz ist interessant: Das Unternehmen wartet nicht ausschließlich darauf, dass Beschäftigte erkranken, sondern versucht, Prävention möglichst niedrigschwellig in den betrieblichen Alltag zu integrieren.
Aroundtown verbindet klassische Gesundheitsangebote mit Mental Health
Bei Aroundtown ist das BGM organisatorisch direkt in HR verankert und standortübergreifend aufgebaut. Zum Angebot gehören kostenlose Impfungen, ein eigenes Fitnessstudio am Berliner Hauptsitz und eine digitale Wellbeing-Plattform für andere Standorte. Haufe.de News und Fachwissen
Darüber hinaus unterstützt das Unternehmen Firmenläufe und stellt Beschäftigte dafür teilweise von der Arbeit frei. Einen besonderen Schwerpunkt bilden psychische Gesundheit und Work-Life-Balance. Führungskräfte sollen diese Aspekte ausdrücklich in ihrer Führungsarbeit berücksichtigen. Haufe.de News und Fachwissen
Damit verschiebt sich BGM von freiwilligen Freizeitangeboten stärker in Richtung Führungsverantwortung und Arbeitsorganisation.
Vonovia: Gesundheit über verschiedene Lebensphasen hinweg
Bei Vonovia wird BGM laut Beitrag bewusst inklusiv angelegt. Beschäftigte in Handwerk, Außendienst und Verwaltung sollen gleichermaßen erreicht werden.
Genannt werden jährliche Vorsorgeuntersuchungen, ergonomische Arbeitsplätze sowie Fitness-, Online- und Achtsamkeitsangebote. Ergänzt wird dies durch Familienservice, Employee Assistance Program, Gesundheitskommunikation und gesunde Kantinenangebote. Haufe.de News und Fachwissen
Das Besondere ist damit weniger eine einzelne Maßnahme als die Idee, Beschäftigte über unterschiedliche Lebens- und Belastungsphasen hinweg zu unterstützen.
Nassauische Heimstätte: Gesundheit verbindlich in der Organisation verankert
Die Nassauische Heimstätte/Wohnstadt geht organisatorisch einen Schritt weiter. Dort ist Gesundheit seit 2011 über eine Gesamtbetriebsvereinbarung verbindlich geregelt.
Das BGM wird über feste Gremien gesteuert. Angebote reichen von Bewegungs- und Entspannungspausen über Gesundheitskurse bis zu Gesundheitstagen. Entscheidend ist nach Darstellung des Unternehmens, Prävention möglichst nahtlos in den Arbeitsalltag zu integrieren und gleichzeitig Rückhalt von Geschäftsführung und betrieblichen Interessenvertretungen sicherzustellen. Haufe.de News und Fachwissen
Das entspricht einem wesentlichen Grundprinzip eines professionellen BGM: Gesundheit soll nicht von einzelnen engagierten Personen oder einmaligen Aktionen abhängig sein, sondern institutionell abgesichert werden.
SAGA verbindet Gesundheit mit sozialer Absicherung und Kompetenzentwicklung
Bei der SAGA wird das Gesundheitsverständnis noch breiter. Neben klassischen Präventionsangeboten nennt Haufe eine betriebliche Krankenzusatzversicherung, eine Unfallversicherung auch für private Risiken und Jobrad-Leasing.
Ergänzt wird dies durch Weiterbildungen zu Resilienz, Ergonomie, Ernährung, Pflege und Konfliktmanagement. Gesundheit wird damit mit sozialer Absicherung und persönlicher Weiterentwicklung verbunden. Haufe.de News und Fachwissen
Gute Gesundheitskultur entsteht nicht durch möglichst viele Einzelmaßnahmen
Ein zentraler Gedanke des Artikels ist, dass BGM nicht automatisch besser wird, nur weil ein Unternehmen besonders viele Programme anbietet.
Haufe verweist dafür auf kulturelle Beispiele aus Japan beziehungsweise Okinawa und Schweden. Dort stehen soziale Bindung, Sinnorientierung, kontinuierliche Verbesserung beziehungsweise fest etablierte gemeinsame Pausen im Mittelpunkt. Übertragen auf Unternehmen lautet die Botschaft: Erholung, soziale Beziehungen, Wertschätzung und Sinn müssen Teil des normalen Arbeitsalltags werden. Haufe.de News und Fachwissen
Die schwedische „Fika“ dient dem Beitrag beispielsweise als Bild dafür, dass regelmäßige gemeinsame Pausen nicht als unproduktive Unterbrechung verstanden werden müssen, sondern soziale Beziehungen stärken und Abstand vom permanenten Leistungsdruck ermöglichen können. Haufe.de News und Fachwissen
Die Beispiele sind dabei eher illustrierende kulturelle Vergleiche als wissenschaftlicher Wirksamkeitsnachweis für ein bestimmtes BGM-Modell.
BGM wird zum Bestandteil der sozialen Nachhaltigkeit
Besonders interessant ist die Verbindung zum Thema ESG. Haufe argumentiert, dass Immobilienunternehmen gesellschaftliche Verantwortung nicht nur über nachhaltige Gebäude und Quartiere erfüllen sollten.
Wenn Unternehmen Nachhaltigkeit glaubwürdig vertreten wollen, gehört dazu auch der Umgang mit den eigenen Beschäftigten. Gesundheit, Arbeitsfähigkeit, soziale Absicherung und gute Arbeitsbedingungen werden damit Teil der Social-Komponente von ESG. Haufe.de News und Fachwissen
Damit verändert sich auch die strategische Perspektive auf BGM: Es wird nicht mehr lediglich als freiwilliges Mitarbeiter-Benefit betrachtet, sondern kann gleichzeitig Arbeitsfähigkeit sichern, Fehlzeiten reduzieren, Arbeitgeberattraktivität stärken und Fachkräfte binden.
Entscheidend ist der formale Rahmen
Der wichtigste praktische Punkt des Artikels liegt letztlich darin, dass viele Unternehmen bereits Aktivitäten durchführen – Gesundheitstage, Ergonomieangebote, Fitness, Impfungen, Beratungsangebote oder Schulungen.
Was häufig fehlt, ist die verbindende Struktur:
Bedarf ermitteln → Maßnahmen ableiten → Verantwortlichkeiten festlegen → Führung einbinden → Angebote umsetzen → Wirkung überprüfen → weiterentwickeln.
Erst dadurch wird aus einzelnen Maßnahmen ein tatsächliches Betriebliches Gesundheitsmanagement. Haufe.de News und Fachwissen
Auf den Punkt gebracht: In Immobilienunternehmen treffen sehr unterschiedliche Belastungen zusammen: körperliche Arbeit in Technik und Instandhaltung, psychische Belastungen in Verwaltung und Kundenkontakt sowie zusätzliche Herausforderungen durch Digitalisierung, demografischen Wandel und Fachkräftemangel. Erfolgreiches BGM besteht deshalb nicht aus möglichst vielen Gesundheitsangeboten. Entscheidend sind regelmäßige Bedarfsanalysen, feste Verantwortlichkeiten, Einbindung der Führung, niedrigschwellige Angebote und eine Gesundheitskultur, die im normalen Arbeitsalltag gelebt wird. Besonders interessant ist die strategische Erweiterung: Gesundheit wird zunehmend nicht nur als Arbeitsschutz- oder HR-Thema verstanden, sondern als Bestandteil von Mitarbeiterbindung und sozialer Nachhaltigkeit im Sinne von ESG. Haufe.de News und Fachwissen
Einordnung: Der Haufe-Beitrag ist ein Praxis- und Überblicksartikel, keine vergleichende wissenschaftliche Wirksamkeitsstudie. Die genannten Unternehmensbeispiele zeigen unterschiedliche BGM-Modelle, erlauben aber keinen belastbaren Schluss, welches Modell beispielsweise Krankenstand oder Fluktuation am stärksten reduziert.
