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Bewegungsstörungen bei Kids: Allein die Medien schuld?


Urheber:in:
ASU Arbeitsmedizin



Bewegungsstörungen bei Kindern nehmen zu – Medienkonsum ist nur ein Teil des Problems

Immer mehr Kinder und Jugendliche erhalten die Diagnose einer motorischen Entwicklungsstörung. Das zeigen aktuelle Versichertendaten der KKH Kaufmännische Krankenkasse, auf die der ASU-Beitrag Bezug nimmt. Bei den 6- bis 18-Jährigen lag die Zahl der Diagnosen 2024 um rund 32 Prozent höher als 2014. Besonders stark ist die Zunahme bei Jugendlichen zwischen 15 und 18 Jahren: Hier stieg der Anteil innerhalb von zehn Jahren um 66,9 Prozent. KKH

Insgesamt waren 2024 knapp 5.800 KKH-versicherte Kinder und Jugendliche von einer diagnostizierten motorischen Entwicklungsstörung nach ICD-10 F82 betroffen. Mehr als 4.100 davon waren Jungen und gut 1.600 Mädchen. Über alle 6- bis 18-Jährigen hinweg lag der Anteil bei 3,1 Prozent, gegenüber 2,4 Prozent im Jahr 2014. KKH

Besonders häufig treten die Auffälligkeiten bereits bei jüngeren Kindern auf. Bei den 6- bis 10-Jährigen sind inzwischen 5,4 Prozent betroffen – etwa jedes 18. Kind. 2014 war es ungefähr jedes 22. Kind. Bei den 11- bis 14-Jährigen lag der Anteil 2024 bei 2,6 Prozent und bei den 15- bis 18-Jährigen bei 1,2 Prozent. Die relativen Zuwächse gegenüber 2014 betrugen in diesen Altersgruppen 19,1 Prozent, 45,7 Prozent beziehungsweise 66,9 Prozent. KKH

Smartphone und Tablet sind nicht allein verantwortlich

Der Titel des Beitrags weist bewusst auf eine zu einfache Erklärung hin: Mehr Bildschirmzeit allein erklärt die Entwicklung nicht. Zwar verbringen Kinder heute häufig viel Zeit mit Smartphone, Tablet, Computer oder Fernseher und bewegen sich währenddessen wenig. Nach Einschätzung des KKH-Sportwissenschaftlers Justin Onyechi kommen jedoch mehrere strukturelle Faktoren hinzu. KKH

Viele Kinder haben einen stark durchgetakteten Alltag aus Schule, Hausaufgaben und organisierten Freizeitaktivitäten. Dadurch bleibt weniger Zeit für freies, spontanes Bewegungsspiel. Gleichzeitig schränken Verkehrsdichte und fehlende sichere Spiel- und Bewegungsräume die Möglichkeiten ein, selbstständig draußen zu spielen. Hinzu kommt die Sorge mancher Eltern vor Unfällen oder anderen Gefahren, wodurch Kinder beispielsweise seltener allein zur Schule gehen oder unbeaufsichtigt draußen spielen. KKH

Damit lenkt der Beitrag den Blick weg von der Frage „Wie viel Bildschirmzeit?“ hin zur umfassenderen Frage: Wie viele reale Gelegenheiten haben Kinder im Alltag überhaupt noch, sich frei zu bewegen?

Bewegung beeinflusst weit mehr als Fitness und Motorik

Regelmäßige Bewegung trainiert nicht nur Ausdauer, Kraft, Geschicklichkeit und Koordination. Sie ist nach Darstellung des Beitrags auch für kognitive, emotionale und soziale Entwicklung bedeutsam.

Bewegung kann unter anderem Konzentrationsfähigkeit fördern, Stress reduzieren und über Erfolgserlebnisse Selbstvertrauen und Widerstandsfähigkeit stärken. Beim gemeinsamen Spielen lernen Kinder außerdem Rücksichtnahme, Respekt, Regeln und Teamfähigkeit. Regelmäßige körperliche Aktivität trägt langfristig auch dazu bei, Risiken für Adipositas, Diabetes, Rückenbeschwerden und Herz-Kreislauf-Erkrankungen zu reduzieren. KKH

Als Mindestmaß nennt die KKH eine Stunde körperliche Aktivität pro Tag. Dabei muss es sich nicht um organisierten Vereinssport handeln. Alltagsbewegung, Spielen, Laufen, Klettern, Radfahren, Treppensteigen oder gemeinsames Toben zählen ebenfalls. Eltern haben dabei eine wichtige Vorbildfunktion: Wie selbstverständlich Bewegung in der Familie gelebt wird, beeinflusst auch das Verhalten der Kinder. KKH

Nicht jede motorische Störung ist Folge von Bewegungsmangel

Für die Einordnung besonders wichtig: Eine diagnostizierte motorische Entwicklungsstörung darf nicht automatisch auf Medienkonsum oder fehlende Bewegung zurückgeführt werden. Motorische Störungen können auch genetische Ursachen haben oder mit Erkrankungen beziehungsweise Funktionseinschränkungen des Nervensystems, der Muskulatur, des Skeletts oder des Gehirns verbunden sein. KKH

Eltern sollten insbesondere dann ärztlichen Rat einholen, wenn über längere Zeit beispielsweise ein wankender Gang, häufiges Stolpern, auffällige Schwierigkeiten beim Aufstehen, Greifen oder Fangen eines Balls auftreten. Entsprechende Störungen werden häufig bereits im Rahmen der kinderärztlichen U-Untersuchungen erkannt. Bei diagnostizierten motorischen Entwicklungsstörungen können unter anderem Physiotherapie und Ergotherapie dazu beitragen, Bewegungsabläufe und Körperwahrnehmung zu verbessern. KKH

Die Zahlen zeigen einen Trend – nicht dessen Ursache

Die zugrunde liegende KKH-Auswertung basiert auf anonymisierten Versichertendaten von 6- bis 18-Jährigen mit der ICD-10-Diagnose F82 und vergleicht die Jahre 2014 und 2024. Die Zahlen zeigen daher einen deutlichen Anstieg dokumentierter Diagnosen im KKH-Versichertenkollektiv. Sie beweisen jedoch nicht, dass Mediennutzung, Verkehr, weniger Freispiel oder ein bestimmter anderer Faktor diesen Anstieg verursacht haben. KKH

Auch lassen sich die Werte einer einzelnen Krankenkasse nicht ohne Weiteres auf sämtliche Kinder und Jugendlichen in Deutschland übertragen. Die von der KKH genannten möglichen Ursachen sind eine fachliche Einordnung des beobachteten Trends, keine aus den Abrechnungsdaten abgeleitete Kausalanalyse.

Auf den Punkt gebracht: Motorische Entwicklungsstörungen bei Kindern und Jugendlichen werden deutlich häufiger diagnostiziert: Bei den 6- bis 18-Jährigen liegt der Anstieg gegenüber 2014 bei 32 Prozent, bei den 15- bis 18-Jährigen sogar bei rund 67 Prozent. Der zunehmende Medienkonsum kann Bewegungsmangel fördern, ist aber nicht die alleinige Erklärung. Durchgetaktete Tagesabläufe, fehlende sichere Bewegungsräume und weniger freies Spielen spielen ebenfalls eine Rolle. Gleichzeitig können motorische Störungen medizinische Ursachen haben. Entscheidend ist deshalb nicht allein eine Begrenzung der Bildschirmzeit, sondern Kindern täglich ausreichend Zeit, Raum und Gelegenheit für selbstbestimmte Bewegung zu geben und länger anhaltende motorische Auffälligkeiten medizinisch abklären zu lassen. KKH

Einordnung: Die ASU-Seite selbst war über den Webzugriff technisch blockiert. Die Zusammenfassung basiert deshalb auf der zugrunde liegenden KKH-Pressemitteilung vom 12. August 2026, aus der die im ASU-Beitrag verwendeten Zahlen und Aussagen stammen. KKH


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