Arbeitswelt im Wandel: BAuA will Veränderungen früher erkennen und gesundheitlich bewerten
Digitalisierung, künstliche Intelligenz, Klimawandel, demografische Veränderungen und neue Formen der Arbeitsorganisation verändern die Arbeitswelt zunehmend gleichzeitig. Die Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA) will diese Entwicklungen deshalb nicht nur punktuell untersuchen, sondern kontinuierlich und systematisch beobachten, um Chancen und Risiken für Sicherheit, Gesundheit und Arbeitsqualität frühzeitig erkennen zu können. Dies bildet das strategische Handlungsfeld A ihres Arbeits- und Forschungsprogramms 2026 bis 2029. (BAuA)
Eine zentrale Grundlage dafür sind langfristige und wiederkehrende Datenerhebungen. Bestehende Langzeitstudien sollen fortgeführt und um Fragestellungen ergänzt werden, die sich aus der Transformation der Arbeitswelt ergeben. Dazu gehören unter anderem die BIBB/BAuA-Erwerbstätigenbefragung, die BAuA-Arbeitszeitbefragung sowie speziellere Untersuchungen zum digitalen Wandel. Durch wiederholte Erhebungen können nicht nur Momentaufnahmen gewonnen, sondern Veränderungen über längere Zeiträume sichtbar gemacht werden. (BAuA)
Ein besonderer Schwerpunkt liegt auf Digitalisierung und künstlicher Intelligenz. Mit der Befragung „Digitalisierung und Wandel der Beschäftigung“ (DiWaBe) untersucht die BAuA beispielsweise, wie sich digitale und KI-basierte Technologien verbreiten und welche Auswirkungen sie auf Anforderungen, Ressourcen, Arbeitsintensität und Arbeitsqualität haben. Die mittlerweile zweite Erhebungswelle ermöglicht es, diese Veränderungen im Zeitverlauf zu beobachten. Dabei sollen auch Unterschiede zwischen Berufs- und Beschäftigtengruppen berücksichtigt werden. (BAuA)
Die BAuA betrachtet technologische Entwicklungen jedoch nicht isoliert. Untersucht werden auch Wechselwirkungen mit anderen Transformationsprozessen. Dazu gehören unter anderem Fachkräfteengpässe, demografischer Wandel, zunehmende Vielfalt der Erwerbsbevölkerung, neue Organisationsformen und die ökologische Transformation. So kann beispielsweise untersucht werden, ob mehrere Veränderungen gleichzeitig zu stärkerer Arbeitsverdichtung führen oder neue Ressourcen für Beschäftigte schaffen. (BAuA)
Ein weiterer Forschungsschwerpunkt betrifft den Klimawandel und die Klimaanpassung. Höhere Temperaturen, Hitzewellen und stärkere solare UV-Belastung können unmittelbar auf Beschäftigte wirken. Gleichzeitig verändern Klimaschutz und ökologische Transformation Tätigkeiten, Technologien, Qualifikationsanforderungen und ganze Branchen. Für den Arbeitsschutz bedeutet dies, sowohl neue physische Gefährdungen als auch Veränderungen von Arbeitsorganisation und Qualifikationsbedarf frühzeitig zu berücksichtigen. (BAuA)
Neben der Erforschung neuer Entwicklungen spielt das Arbeitsweltmonitoring eine zentrale Rolle. Durch Erwerbstätigen-, Arbeitszeit- und weitere nationale sowie europäische Befragungen soll ein möglichst aktuelles Bild der Arbeitsbedingungen in Deutschland entstehen. Damit lassen sich langfristige Trends, neue Belastungsschwerpunkte und besonders betroffene Beschäftigtengruppen identifizieren. (BAuA)
Die gewonnenen Daten dienen nicht nur der Forschung. Sie sollen eine Grundlage für evidenzbasierte Politikberatung, die Entwicklung gesundheitsgerechter Arbeitsbedingungen und die Weiterentwicklung betrieblicher Präventionsstrategien schaffen. Gleichzeitig können damit bestehende Arbeitsschutzmaßnahmen und gesetzgeberische Veränderungen daraufhin überprüft werden, ob sie tatsächlich die gewünschte Wirkung erzielen. (BAuA)
Das Handlungsfeld ist Teil eines umfassenderen BAuA-Arbeits- und Forschungsprogramms 2026 bis 2029. Dieses umfasst fünf strategische Bereiche: Veränderungen der Arbeitswelt erfassen, Anwendungssicherheit gewährleisten, Arbeitssysteme menschengerecht gestalten, Gesundheit und Arbeitsfähigkeit erhalten sowie Instrumente und Wissen für den Arbeitsschutz weiterentwickeln. Die Bereiche sind bewusst miteinander verzahnt. (BAuA)
Auf den Punkt gebracht: Die BAuA will den Wandel der Arbeitswelt nicht erst untersuchen, wenn gesundheitliche Probleme bereits sichtbar werden. Mit langfristigen Befragungen und einem systematischen Arbeitsweltmonitoring sollen Veränderungen durch KI, Digitalisierung, Klima, Demografie und neue Arbeitsformen frühzeitig erkannt und ihre Folgen für Sicherheit und Gesundheit bewertet werden. Die gewonnenen Daten sollen anschließend dazu dienen, Politik, Unternehmen und Arbeitsschutz mit belastbaren Erkenntnissen und konkreten Gestaltungsempfehlungen zu unterstützen. (BAuA)
