Forschungsprojekt „KlimaResist“: Bau- und Ausbaugewerbe sollen sich systematisch auf Klima- und Wetterveränderungen einstellen
Der Haufe-Beitrag stellt das Forschungsprojekt „KlimaResist“ vor, das seit 2025 gemeinsam mit Unternehmen des Bau- und Ausbaugewerbes an neuen Schutzkonzepten gegen klimabedingte Belastungen arbeitet. Hintergrund ist ein besonderer Zielkonflikt: Der Gebäudesektor soll durch Sanierung und klimafreundlichen Neubau zur Energiewende beitragen, gleichzeitig gehören gerade die dort Beschäftigten wegen ihres hohen Anteils an Außenarbeit zu den Berufsgruppen, die Hitze, UV-Strahlung und Extremwetter besonders stark ausgesetzt sind. Haufe.de News und Fachwissen
Das Projekt läuft vom 1. April 2025 bis 31. März 2028 und wird vom Bundesministerium für Arbeit und Soziales sowie über den Europäischen Sozialfonds Plus gefördert. Beteiligt sind unter anderem das BIT in Bochum, das ILAG, die IKK classic und das TMDT der Bergischen Universität Wuppertal. Entscheidend ist der Praxisansatz: Lösungen werden nicht nur im Labor entwickelt, sondern gemeinsam mit kleinen und mittleren Unternehmen sowie deren Beschäftigten erarbeitet und getestet. TMDT Wuppertal
Nicht nur Hitze ist das Problem
Im Fokus stehen mehrere klimabedingte Belastungen gleichzeitig. Neben Hitze und UV-Strahlung nennt das Projekt auch Ozon, Feinstaub und extreme Wetterlagen als relevante Belastungsfaktoren. Diese können nicht nur Sonnenbrand, Dehydrierung oder Herz-Kreislauf-Probleme verursachen, sondern auch Leistungsfähigkeit und Konzentration vermindern und je nach Tätigkeit das Unfall- und Verletzungsrisiko erhöhen. BIT Bochum
Gerade im Hochbau ist das relevant, weil sich viele Tätigkeiten nur begrenzt in klimatisierte Räume verlagern lassen. Dachdecker, Fassadenbauer, Gerüstbauer oder andere Gewerke müssen häufig genau dann im Freien arbeiten, wenn hohe Temperaturen und intensive Sonneneinstrahlung auftreten.
Ziel ist kein einzelnes Hitzeschutzprodukt, sondern ein Gesamtkonzept
KlimaResist verfolgt bewusst einen ganzheitlichen Ansatz. Haufe beschreibt das Projekt als Verbindung aus digitalen Werkzeugen zur Arbeitsplanung und betrieblicher Organisationsentwicklung. Ergänzt werden diese durch Schulungen und Qualifizierung von Führungskräften und Beschäftigten. Haufe.de News und Fachwissen
Der zugrunde liegende wissenschaftliche Ansatz geht noch etwas weiter: Er verbindet Mensch, Technik und Organisation. Dazu gehören digitale Planungshilfen, Sensortechnik beziehungsweise Wearables sowie Veränderungen der betrieblichen Arbeitsorganisation und Sicherheitskultur. Ziel ist nicht, Beschäftigte lediglich besser über Hitze zu informieren, sondern Arbeitsbedingungen so anzupassen, dass Belastungen möglichst vor ihrer Entstehung reduziert werden. ResearchGate
Die App soll Arbeitsplanung an die Belastung anpassen
Ein zentraler Projektbaustein ist die Entwicklung einer digitalen Anwendung, die im realen Arbeitsalltag getestet und anhand der Rückmeldungen der Betriebe weiterentwickelt wird. Sie soll Unternehmen helfen, klimabedingte Belastungen besser zu erfassen und Arbeitsabläufe entsprechend zu planen. TMDT Wuppertal
Denkbar ist damit beispielsweise, besonders schwere Arbeiten nicht nur nach Baufortschritt und Personaleinsatz zu terminieren, sondern zusätzlich nach der erwarteten klimatischen Belastung. Der Ansatz verschiebt Hitzeschutz damit von der reinen Reaktion auf einen heißen Tag hin zu einer vorausschauenden Arbeitsorganisation.
Betriebe werden zunächst genau untersucht
Bevor konkrete Maßnahmen entwickelt werden, analysiert das Projekt die Situation in den beteiligten Unternehmen. Dafür werden unter anderem Workshops, Befragungen und Interviews eingesetzt. So sollen die tatsächlichen betrieblichen Belastungen und Anforderungen identifiziert werden. TMDT Wuppertal
Das ist wichtig, weil sich eine Dachdeckerkolonne, ein Malerbetrieb und ein Innenausbauunternehmen trotz gemeinsamer Zugehörigkeit zum Baugewerbe erheblich unterscheiden können. Einheitliche Standardlösungen würden diesen Unterschieden nicht unbedingt gerecht.
Auf Grundlage der Analysen sollen deshalb bedarfsgerechte Qualifizierungsangebote und betriebliche Maßnahmen entstehen, die anschließend praktisch erprobt werden.
Führungskräfte und Beschäftigte müssen gleichermaßen einbezogen werden
KlimaResist betrachtet Klimaanpassung nicht ausschließlich als persönliche Verantwortung der Beschäftigten. Zwar gehören richtiges Trinkverhalten, geeignete Kleidung oder das Erkennen von Warnzeichen zu den wichtigen individuellen Maßnahmen. Gleichzeitig entscheidet jedoch die Arbeitsorganisation, ob Beschäftigte ihre Belastung überhaupt reduzieren können.
Wenn Terminvorgaben keine zusätzlichen Pausen zulassen, körperlich schwere Arbeiten grundsätzlich in die heißesten Tagesstunden fallen oder Schattenbereiche fehlen, stößt individuelles Verhalten schnell an seine Grenzen.
Deshalb sollen sowohl Führungskräfte als auch Beschäftigte geschult werden. Im Mittelpunkt stehen der Umgang mit klimabedingten Gesundheitsrisiken und mit Extremwettersituationen im Arbeitsalltag. Haufe.de News und Fachwissen
Hitzeschlag verhindern – aber auch Leistungsfähigkeit erhalten
Haufe hebt besonders drei gesundheitliche Risiken hervor: Hitzschlag, Dehydrierung und Hitzestress. Der Projektansatz soll diese Belastungen möglichst präventiv reduzieren. Haufe.de News und Fachwissen
Dabei geht es nicht nur darum, akute medizinische Notfälle zu verhindern. Schon geringere Wärmebelastungen können Müdigkeit, Konzentrationsverlust und Leistungsabfall verursachen. Die BAuA weist allgemein darauf hin, dass hohe Temperaturen zu mehr Arbeitsfehlern, Ermüdung und einem erhöhten Unfallrisiko führen können. BAUA
Gerade auf Baustellen kann damit aus einem Gesundheitsproblem schnell ein Sicherheitsproblem werden – beispielsweise bei Arbeiten in Höhe, beim Umgang mit Maschinen oder beim Transport schwerer Lasten.
Besonders interessant: Klimaanpassung wird Teil der Unternehmensorganisation
Der eigentliche Innovationsansatz des Projekts liegt weniger in einer einzelnen technischen Maßnahme als darin, Klimarisiken systematisch in die betriebliche Planung einzubauen.
Damit wird Klimaanpassung zu einem Managementthema ähnlich anderen Arbeitsschutzrisiken: Belastungen müssen erkannt, bewertet, Maßnahmen geplant, Verantwortlichkeiten festgelegt und deren Wirksamkeit überprüft werden.
Aus HSSEQ-Sicht ist das besonders interessant, weil sich damit Arbeitsschutz, Gesundheitsmanagement, Digitalisierung und Klimaanpassung unmittelbar verbinden. Das Thema wandert von der saisonalen Frage „Was machen wir heute bei 35 Grad?“ hin zu einem strukturierten betrieblichen Präventionsprozess.
Noch keine abgeschlossenen Projektergebnisse
Wichtig ist die Einordnung: KlimaResist ist noch ein laufendes Forschungsprojekt. Der Haufe-Beitrag berichtet über Zielsetzung, Vorgehen und geplante Instrumente, nicht über bereits abschließend evaluierte Ergebnisse.
Da das Projekt erst 2028 endet, lässt sich derzeit noch nicht sagen, wie stark beispielsweise die App, Wearables oder organisatorische Veränderungen tatsächlich Hitzebelastung, Krankenstände oder Unfallrisiken reduzieren. Genau diese praktische Erprobung ist Teil des laufenden Projekts. TMDT Wuppertal
Auf den Punkt gebracht: „KlimaResist“ will den Hitzeschutz im Baugewerbe von Einzelmaßnahmen zu einem systematischen Klimaanpassungsmanagement weiterentwickeln. Statt Beschäftigten lediglich Trinkpausen und Sonnenschutz zu empfehlen, sollen digitale Arbeitsplanung, Sensortechnik, Qualifizierung und betriebliche Organisation zusammenspielen. Der entscheidende Gedanke: Klimarisiken wie Hitze, UV-Strahlung, Ozon und Extremwetter müssen künftig genauso selbstverständlich in Arbeitsplanung und Gefährdungsbeurteilung einfließen wie klassische Baustellengefahren. Das Projekt zeigt damit eine mögliche Richtung für den zukünftigen Arbeitsschutz: Klimaanpassung wird Bestandteil der normalen Betriebsorganisation – nicht erst eine Notfallreaktion auf den nächsten heißen Sommertag. Haufe.de News und Fachwissen
