Repetitive manuelle Tätigkeiten bleiben ein bedeutender Risikofaktor für Muskel-Skelett-Beschwerden
Der BAuA-Beitrag untersucht, wie häufig repetitive manuelle Tätigkeiten in der deutschen Erwerbsbevölkerung vorkommen und mit welchen gesundheitlichen Beschwerden sie verbunden sind. Gemeint sind sich wiederholende Arbeitsabläufe mit Händen und Armen, beispielsweise Montagearbeiten. Grundlage sind Daten der BIBB/BAuA-Erwerbstätigenbefragung 2024.
Für die Auswertung wurden 14.440 Vollzeitbeschäftigte im Alter von 15 bis 67 Jahren berücksichtigt. Das Medianalter lag bei 52 Jahren, der Frauenanteil bei 32,7 Prozent. Die Beschäftigten gaben selbst an, wie häufig sie repetitive manuelle Tätigkeiten ausführen und welche gesundheitlichen Beschwerden bei ihnen auftreten. Die statistischen Analysen wurden unter anderem um Alter, Geschlecht, Arbeitszeit und weitere berufliche Belastungen bereinigt.
Knapp ein Viertel der Befragten, 24,2 Prozent, arbeitet nach eigener Einschätzung häufig repetitiv mit Händen und Armen. 12,1 Prozent tun dies manchmal, 11,9 Prozent selten und 51,8 Prozent nie. Besonders verbreitet sind solche Tätigkeiten in Handwerksberufen mit 72 Prozent, in Land- und Forstwirtschaft sowie Fischerei mit rund 70 Prozent, bei Maschinenbedienern mit 52 Prozent und bei Hilfskräften mit 49 Prozent. Damit bleibt repetitive Handarbeit trotz zunehmender Automatisierung in zahlreichen Berufsgruppen eine relevante körperliche Belastung.
Der deutlichste Zusammenhang zeigt sich erwartungsgemäß bei Beschwerden der oberen Extremitäten. Bei Beschäftigten mit häufigen repetitiven Tätigkeiten war die Prävalenz von Handbeschwerden um den Faktor 1,66 und die von Armbeschwerden um den Faktor 1,78 erhöht. Die Ergebnisse bestätigen damit den bekannten Zusammenhang zwischen häufig wiederholten Hand-Arm-Bewegungen und Muskel-Skelett-Beschwerden.
Die Analyse zeigt jedoch, dass die gesundheitlichen Zusammenhänge nicht auf Hände und Arme beschränkt sind. Auch Beschwerden in Knien, Beinen und Füßen treten bei Beschäftigten mit häufigen repetitiven Tätigkeiten häufiger auf. So lag die statistisch adjustierte Prävalenz von Bein- beziehungsweise Fußschmerzen bei Beschäftigten ohne diese Belastung bei 11,8 Prozent, bei Personen mit häufigen repetitiven Tätigkeiten dagegen bei 21,0 Prozent. Dies deutet darauf hin, dass solche Arbeitsplätze häufig mit weiteren körperlichen Belastungsfaktoren verbunden sind.
Die Autoren weisen deshalb darauf hin, repetitive manuelle Tätigkeiten nicht isoliert als Belastung von Händen oder Armen zu betrachten. Arbeitsplätze mit solchen Tätigkeiten können gleichzeitig durch langes Stehen, ungünstige Körperhaltungen, Kraftaufwand oder andere physische Anforderungen geprägt sein. Die BAuA untersucht im zugrunde liegenden Forschungsprojekt deshalb unterschiedliche körperliche Belastungen und deren Zusammenhänge mit Beschwerden im gesamten Muskel-Skelett-System.
Wichtig für die Interpretation ist, dass es sich um eine Querschnittsanalyse handelt. Die Untersuchung zeigt statistische Zusammenhänge zwischen Exposition und Beschwerden, kann aber nicht beweisen, dass die repetitiven Tätigkeiten allein die jeweiligen Beschwerden verursacht haben. Zudem beruhen sowohl die Angaben zur Belastung als auch die Beschwerden auf Selbstauskünften der Beschäftigten.
Auf den Punkt gebracht: Rund jeder vierte Vollzeitbeschäftigte in Deutschland berichtet von häufigen repetitiven manuellen Tätigkeiten. Besonders betroffen sind Handwerk, Land- und Forstwirtschaft, Maschinenbedienung und einfache Tätigkeiten. Häufige repetitive Arbeit ist deutlich mit Beschwerden an Händen und Armen verbunden, geht aber auch mit weiteren Muskel-Skelett-Beschwerden einher. Berufsgruppen mit hoher repetitiver Belastung bleiben daher ein wichtiger Schwerpunkt für ergonomische Arbeitsgestaltung und betriebliche Prävention.
