Feinstaub könnte die Krankheitsaktivität bei rheumatoider Arthritis erhöhen
Eine höhere Belastung mit Feinstaub der Größe PM2,5 steht offenbar mit einer stärkeren Krankheitsaktivität und einem erhöhten Risiko für Krankheitsschübe bei Menschen mit rheumatoider Arthritis (RA) in Zusammenhang. Darauf weist eine prospektive Kohortenstudie aus Südkorea hin. PubMed
Untersucht wurden 1.070 Patientinnen und Patienten mit rheumatoider Arthritis an einem südkoreanischen Universitätsklinikum. Zwischen Januar 2021 und Dezember 2024 wurden insgesamt 12.583 ambulante Untersuchungstermine ausgewertet. Die Forschenden verglichen die jeweilige Krankheitsaktivität mit der Belastung durch sechs Luftschadstoffe: Schwefeldioxid, Stickstoffdioxid, Ozon, Kohlenmonoxid sowie PM10 und PM2,5. In den Berechnungen wurden unter anderem Alter, Geschlecht, serologische Befunde, Medikamenteneinnahme, sozioökonomische Faktoren und Wetterbedingungen berücksichtigt. PubMed
Von den untersuchten Schadstoffen zeigte PM2,5 den deutlichsten Zusammenhang mit der rheumatoiden Arthritis. Ein Anstieg der PM2,5-Belastung um eine Standardabweichung war mit einer um rund 11 Prozent höheren Odds für einen Krankheitsschub verbunden (adjustierte OR 1,113; 95-%-Konfidenzintervall 1,017–1,218). Es handelt sich dabei um eine relative Veränderung der statistischen Odds und nicht um eine Erhöhung des absoluten Erkrankungsrisikos um elf Prozent. PubMed
Auch mehrere etablierte Messgrößen der RA-Aktivität verschlechterten sich mit höherer PM2,5-Exposition. Dazu gehörten der DAS28-CRP, der Clinical Disease Activity Index (CDAI) sowie die Anzahl druckschmerzhafter und geschwollener Gelenke. Der Zusammenhang zwischen Feinstaub und DAS28-CRP war insbesondere bei Frauen und Nichtrauchenden ausgeprägter. PubMed
Eine zusätzliche Fall-Kreuzungsanalyse, bei der die Betroffenen gewissermaßen mit sich selbst zu unterschiedlichen Zeitpunkten verglichen wurden, bestätigte die Ergebnisse. Besonders eine über mehr als zwei Wochen kumulierte PM2,5-Belastung war mit einem erhöhten Risiko für einen RA-Schub verbunden. Damit spricht die Untersuchung dafür, dass nicht nur einzelne kurzfristige Belastungsspitzen, sondern auch die länger andauernde Feinstaubexposition relevant sein könnte. PubMed
Die Untersuchung liefert jedoch keinen Beweis für einen ursächlichen Zusammenhang. Die individuelle Feinstaubbelastung wurde nicht direkt bei jeder Person gemessen, sondern aus Luftqualitätsdaten abgeschätzt. Zudem stammt die Kohorte aus einem einzelnen medizinischen Zentrum in Südkorea. Die Forschenden halten deshalb weitere Untersuchungen für erforderlich – insbesondere zur Frage, ob eine Verbesserung der Luftqualität tatsächlich die Krankheitsaktivität von RA-Patientinnen und -Patienten reduzieren kann. Ein begleitendes Editorial ordnet die Ergebnisse ebenfalls als weiteren Hinweis darauf ein, dass Luftverschmutzung nicht nur bei der Entstehung, sondern möglicherweise auch beim Verlauf der rheumatoiden Arthritis eine Rolle spielt. PubMed
Auf den Punkt gebracht: Feinstaub PM2,5 könnte nicht nur zur Entstehung entzündlicher Erkrankungen beitragen, sondern auch den Verlauf einer bereits bestehenden rheumatoiden Arthritis beeinflussen. Höhere und länger anhaltende Belastungen waren mit mehr Krankheitsaktivität und häufiger auftretenden Schüben verbunden. Ob eine Reduzierung der Feinstaubexposition RA-Schübe tatsächlich verhindern kann, muss jedoch erst in weiteren Studien geklärt werden.
