Paketflut belastet den Körper: Zusteller fehlen überdurchschnittlich oft wegen Muskel-Skelett-Erkrankungen
Die von ASU Arbeitsmedizin aufgegriffenen Daten der AOK Rheinland/Hamburg zeigen eine anhaltend hohe körperliche Belastung in Post-, Kurier- und Expressdiensten. Beschäftigte dieser Branche fehlten im Jahr 2025 im Durchschnitt 8,3 Tage wegen Muskel-Skelett-Erkrankungen, etwa aufgrund von Rücken-, Gelenk- oder Muskelbeschwerden. Branchenübergreifend waren es dagegen 6,6 AU-Tage je Beschäftigtem. Grundlage sind Versichertendaten, die vom Institut für Betriebliche Gesundheitsförderung der AOK Rheinland/Hamburg ausgewertet wurden. AOK
Muskel-Skelett-Erkrankungen machen rund ein Viertel der Fehltage aus
Besonders auffällig ist der Anteil dieser Diagnosegruppe am gesamten Krankheitsgeschehen. Rund ein Viertel aller Arbeitsunfähigkeitstage in der Zustellbranche ging 2025 auf Erkrankungen des Bewegungsapparats zurück. Ein einzelner entsprechender Krankheitsfall führte im Durchschnitt zu 13,2 Fehltagen. AOK
Die Zahlen bestätigen damit ein bereits seit Jahren sichtbares Muster. Schon für 2024 hatte die AOK einen hohen Krankenstand und deutlich mehr Muskel-Skelett-Erkrankungen als in anderen Branchen festgestellt. Damals entfielen auf 100 Versicherte in Post-, Kurier- und Expressdiensten rund 76 Krankschreibungen wegen Muskel-Skelett-Erkrankungen, gegenüber etwa 44 im branchenübergreifenden Vergleich. AOK
Heben, Tragen, Treppensteigen – und gleichzeitig Zeitdruck
Als Belastungsfaktoren nennt das BGF-Institut insbesondere häufiges Heben und Tragen schwerer Pakete, ungünstige beziehungsweise erzwungene Körperhaltungen und ständiges Treppensteigen. Hinzu kommen organisatorische und psychische Faktoren wie Zeitdruck, dichter Straßenverkehr und größer werdende Zustellbezirke. AOK
Damit wirken mehrere Belastungsarten gleichzeitig. Aus ergonomischer Sicht geht es nicht nur um das Gewicht eines einzelnen Pakets. Entscheidend sind auch Wiederholungshäufigkeit, Gesamtmenge, Tragewege, Treppen, Fahrzeugzugang, Körperhaltung und verfügbare Erholungszeiten.
Krankenstand sinkt erstmals wieder – körperliche Belastung bleibt
Eine positive Entwicklung gibt es beim allgemeinen Krankenstand. Nachdem dieser in der Zustellbranche über mehrere Jahre gestiegen war, sank er von 7,7 Prozent im Jahr 2024 auf 6,9 Prozent im Jahr 2025. AOK
Das ändert jedoch nichts daran, dass Muskel- und Gelenkbeschwerden weiterhin überdurchschnittlich viele Fehltage verursachen. Der Rückgang des gesamten Krankenstands sollte deshalb nicht mit einer Entwarnung bei den körperlichen Belastungen gleichgesetzt werden.
Deutsche Post setzt auf physiotherapeutische Unterstützung
Die Deutsche Post hat auf die Belastungen mit einem Präventionsprojekt reagiert. Zustellkräfte trainieren dabei gezielt Bewegungsabläufe und gesündere Routinen für den Arbeitsalltag. Begleitet werden sie von Physiotherapeutinnen und Physiotherapeuten sowie Sportwissenschaftlerinnen und Sportwissenschaftlern. Ziel ist es, körperliche Fehlbelastungen im täglichen Arbeitsablauf zu reduzieren. AOK
Solche Programme können sinnvoll sein, greifen aus Sicht des Arbeitsschutzes aber vor allem auf der personenbezogenen Ebene an. Für eine nachhaltige Prävention bleiben zusätzlich technische und organisatorische Maßnahmen relevant, etwa geeignete Transporthilfen, ergonomische Fahrzeug- und Arbeitsplatzgestaltung, realistische Tourenplanung sowie eine Begrenzung dauerhaft hoher körperlicher Belastungen.
Arbeitsbedingungen der Paketbranche rücken stärker in den Fokus
Auch staatliche Arbeitsschutzbehörden beschäftigen sich intensiver mit der Branche. Das NRW-Arbeitsministerium führte 2025 landesweite Kontrollen zu den Arbeitsbedingungen von Paketbotinnen und Paketboten durch. AOK
Das zeigt, dass die Problematik nicht nur als Frage individueller Fitness oder rückengerechten Hebens gesehen wird. Arbeitsorganisation, Arbeitszeit, Tourendruck, Fremdfirmenstrukturen und betriebliche Prävention gehören ebenso zur Bewertung der gesundheitlichen Risiken.
Wichtig für die Einordnung
Die Daten stammen von berufstätigen Versicherten der AOK Rheinland/Hamburg. Sie zeigen reale Arbeitsunfähigkeitsfälle in diesem Versichertenkollektiv, sind aber nicht automatisch repräsentativ für sämtliche Zustellerinnen und Zusteller in Deutschland.
Zudem lässt sich aus den AU-Daten allein nicht ableiten, welcher konkrete Belastungsfaktor welche Erkrankung verursacht hat. Die Aussagen zu Heben, Tragen, Zwangshaltungen oder Zeitdruck sind eine fachliche Einordnung der beobachteten Fehlzeiten und keine direkte Kausalanalyse.
Auf den Punkt gebracht: Zustellerinnen und Zusteller sind weiterhin überdurchschnittlich häufig von Muskel-Skelett-Erkrankungen betroffen. 2025 entfielen im Schnitt 8,3 Fehltage je Beschäftigtem auf Beschwerden des Bewegungsapparats, gegenüber 6,6 Tagen im branchenübergreifenden Vergleich; rund ein Viertel aller AU-Tage der Branche ging auf diese Diagnosegruppe zurück. Der allgemeine Krankenstand ist zwar gesunken, die körperliche Belastung bleibt jedoch hoch. Für wirksame Prävention reicht deshalb rückengerechtes Verhalten allein nicht aus: Entscheidend sind ergonomische Arbeitsmittel, geeignete Transporthilfen, realistische Tourenplanung und eine Arbeitsorganisation, die körperliche Dauerbelastung und Zeitdruck begrenzt. AOK
Einordnung: Die ASU-Seite war technisch nicht direkt abrufbar. Die Zusammenfassung basiert deshalb auf der zugrunde liegenden Pressemitteilung der AOK Rheinland/Hamburg vom 20. August 2026, aus der die genannten Zahlen und Aussagen stammen. AOK
