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Berufliche Pflege im Vergleich: Neues Faktenblatt der BAuA


Urheber:in:
Basi



Berufliche Pflege im Vergleich: Hohe Belastung, wenig Handlungsspielraum – aber außergewöhnlich hohe Sinnhaftigkeit

Die Basi greift ein neues Faktenblatt der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA) auf, das die Arbeitsbedingungen und die gesundheitliche Situation von Beschäftigten in drei Pflegebereichen vergleicht: ambulante Pflege, stationäre Kurz- und Langzeitpflege sowie akutstationäre Pflege im Krankenhaus. Grundlage ist die BIBB/BAuA-Erwerbstätigenbefragung 2024. Insgesamt wurden für die Auswertung 568 abhängig beschäftigte Pflegekräfte mit mehr als 19.000 Beschäftigten aus anderen Berufen verglichen. Basi

Das zentrale Ergebnis ist eindeutig: Pflegekräfte berichten deutlich häufiger über hohe körperliche und psychische Arbeitsanforderungen und gleichzeitig häufiger über gesundheitliche Beschwerden als Beschäftigte anderer Berufsgruppen. Die BAuA warnt aber davor, „die Pflege“ als einheitlichen Arbeitsbereich zu betrachten. Zwischen ambulanter Pflege, stationärer Langzeitpflege und Krankenhauspflege bestehen erhebliche Unterschiede bei Belastungen und Ressourcen. Basi

Körperliche Belastungen bleiben außergewöhnlich hoch

Besonders deutlich fallen die Unterschiede bei den körperlichen Anforderungen aus. 85 bis 89 Prozent der Pflegekräfte arbeiten häufig im Stehen, während dies bei Beschäftigten anderer Berufe nur 45 Prozent betrifft. Schwere Lasten heben oder tragen 62 bis 69 Prozent der Pflegekräfte häufig; in der Vergleichsgruppe sind es lediglich 15 Prozent. DVLAB

Dahinter stehen typische Tätigkeiten wie Mobilisieren, Umlagern und Unterstützen pflegebedürftiger Menschen sowie Arbeiten in ungünstigen Körperhaltungen. Die Daten bestätigen damit, dass Muskel-Skelett-Belastungen trotz technischer Hilfsmittel weiterhin ein zentrales Präventionsthema der Pflege sind.

Auch die psychischen Anforderungen liegen deutlich über dem Durchschnitt

Neben den körperlichen Anforderungen zeigt sich eine hohe Arbeitsintensität. Je nach Pflegesetting berichten 66 bis 71 Prozent der Beschäftigten von starkem Termin- oder Leistungsdruck. Bei Beschäftigten anderer Berufe sind es 43 Prozent.

Häufige Arbeitsunterbrechungen erleben 61 bis 79 Prozent der Pflegekräfte, ebenfalls gegenüber 43 Prozent in anderen Berufen. Gefühlsmäßig belastende Situationen werden von 25 bis 29 Prozent häufig erlebt; in der Vergleichsgruppe liegt der Anteil bei lediglich 11 Prozent. DVLAB

Damit treffen in der Pflege mehrere Belastungsarten gleichzeitig aufeinander: körperlich schwere Arbeit, Zeitdruck, Unterbrechungen und emotionale Anforderungen.

Handlungsspielraum ist deutlich geringer

Eine wichtige Ressource für gesundes Arbeiten ist die Möglichkeit, die eigene Tätigkeit selbst zu beeinflussen. Genau hier schneiden Pflegeberufe vielfach schlechter ab.

Während 70 Prozent der Beschäftigten anderer Berufe ihre Arbeit häufig selbst planen und einteilen können, sind es in der ambulanten und stationären Langzeitpflege jeweils rund 58 Prozent, in der akutstationären Krankenhauspflege sogar nur 48 Prozent. DVLAB

Auch bei den Pausen zeigt sich ein deutlicher Unterschied. Nur etwa 41 bis 52 Prozent der Pflegekräfte können häufig selbst bestimmen, wann sie eine Pause machen. Bei den übrigen Beschäftigten sind es wiederum rund 70 Prozent. DVLAB

Gerade bei hoher Arbeitsintensität ist dieser geringe Handlungsspielraum relevant: Wer weder Arbeitstempo noch Reihenfolge von Aufgaben oder Pausenzeiten ausreichend beeinflussen kann, verfügt über weniger Möglichkeiten, Belastung selbst zu regulieren.

Ambulante Pflege bietet teilweise deutlich mehr Gestaltungsspielraum

Besonders interessant ist der Vergleich innerhalb der Pflege. Bei der Frage, ob Beschäftigte ihre Arbeitsziele mitbestimmen können, schneiden die drei Bereiche sehr unterschiedlich ab.

In der akutstationären Pflege sind es nur 32 Prozent, in der stationären Langzeitpflege 44 Prozent, in der ambulanten Pflege dagegen 60 Prozent. Bei den übrigen Berufen liegt der Durchschnitt bei 46 Prozent. DVLAB

Damit verfügt die ambulante Pflege zumindest in einzelnen Dimensionen über deutlich mehr Autonomie als die Krankenhauspflege. Das bedeutet allerdings nicht, dass ambulante Pflege insgesamt weniger belastend wäre. Die BAuA betont gerade die Notwendigkeit einer differenzierten Betrachtung der einzelnen Pflegesettings. Basi

Kollegiale Unterstützung unterscheidet sich ebenfalls

Auch die sozialen Ressourcen fallen unterschiedlich aus. Häufige Unterstützung durch Kolleginnen und Kollegen berichten:

  • 70 Prozent der Beschäftigten in der ambulanten Pflege,
  • 66 Prozent in der stationären Langzeitpflege,
  • 81 Prozent in der akutstationären Pflege.

Bei Beschäftigten anderer Berufe liegt der Vergleichswert ebenfalls bei 81 Prozent. DVLAB

Weniger günstig sieht es bei der Unterstützung durch direkte Führungskräfte aus. Nur 54 bis 57 Prozent der Pflegekräfte berichten häufig von entsprechender Unterstützung; bei anderen Beschäftigten sind es 64 Prozent. DVLAB

Damit wird Führung zu einem wichtigen Ansatzpunkt für Prävention: Gerade wenn Arbeitsbelastungen strukturell hoch sind, können verlässliche Unterstützung, klare Prioritäten und Rückhalt durch Vorgesetzte als Ressource wirken.

Bemerkenswert: Pflegekräfte erleben ihre Arbeit als besonders sinnvoll

Einer der auffälligsten Befunde steht im deutlichen Kontrast zu den Belastungen. Je nach Pflegesetting empfinden 92 bis 97 Prozent der Pflegekräfte ihre Tätigkeit als wichtig und gesellschaftlich bedeutsam. Bei Beschäftigten anderer Berufe liegt dieser Anteil bei 76 Prozent. DVLAB

Den höchsten Wert erreicht die ambulante Pflege mit 97 Prozent. upgrade.lfk-online.de

Das zeigt eine besondere Stärke des Pflegeberufs: Trotz hoher Belastungen erleben Beschäftigte ihre Tätigkeit außerordentlich häufig als sinnvoll. Diese Sinnhaftigkeit darf allerdings nicht mit guten Arbeitsbedingungen verwechselt werden. Sie kann hohe körperliche und psychische Anforderungen nicht dauerhaft kompensieren.

Die Belastungen zeigen sich auch gesundheitlich

Pflegekräfte berichten häufiger über Muskel-Skelett- und psychosomatische Beschwerden. Schmerzen im unteren Rücken nennen 56 bis 65 Prozent, gegenüber 39 Prozent in der Vergleichsgruppe. Bei Schulter- und Nackenbeschwerden liegen die Werte zwischen 58 und 68 Prozent, gegenüber 45 Prozent bei anderen Beschäftigten. Tagespflege

Hinzu kommen Schlafstörungen sowie körperliche und emotionale Erschöpfung. Über nächtliche Schlafstörungen berichten je nach Pflegesetting etwa 47 bis 60 Prozent, über körperliche Erschöpfung 49 bis 64 Prozent. Besonders häufig treten die untersuchten Beschwerden in der akutstationären Krankenhauspflege auf. Tagespflege

Konsequenz: Keine einheitliche Lösung für „die Pflege“

Die Autoren des BAuA-Faktenblatts ziehen daraus eine wichtige Schlussfolgerung: Maßnahmen zur Verbesserung der Arbeitsbedingungen sollten pflegesettingspezifisch entwickelt werden. Die jeweiligen Belastungen und Ressourcen unterscheiden sich zwischen Krankenhaus, Langzeitpflege und ambulanter Pflege teilweise erheblich. DVLAB

Für den Arbeitsschutz bedeutet das beispielsweise: Ergonomische Hilfsmittel und rückenschonende Arbeitsverfahren bleiben überall relevant. Beim psychischen Arbeitsschutz können aber je nach Setting andere Schwerpunkte erforderlich sein – etwa Arbeitsintensität und Unterbrechungen im Krankenhaus, Handlungsspielraum und Tourenorganisation in der ambulanten Pflege oder Führung und Personalressourcen in der Langzeitpflege.

Auf den Punkt gebracht: Berufliche Pflege verbindet zwei Extreme: außergewöhnlich hohe körperliche und psychische Anforderungen und gleichzeitig eine außergewöhnlich hohe wahrgenommene Sinnhaftigkeit der Arbeit. 85 bis 89 Prozent arbeiten häufig im Stehen, bis zu 69 Prozent heben oder tragen schwere Lasten, bis zu 71 Prozent erleben starken Termin- und Leistungsdruck. Gleichzeitig bewerten 92 bis 97 Prozent ihre Tätigkeit als wichtig und gesellschaftlich bedeutsam. Besonders deutlich wird aber auch: „Die Pflege“ gibt es aus Arbeitsschutzsicht nicht. Ambulante Pflege, Langzeitpflege und Krankenhaus unterscheiden sich erheblich bei Handlungsspielraum, sozialer Unterstützung und gesundheitlicher Belastung. Präventionsmaßnahmen sollten deshalb gezielt auf das jeweilige Pflegesetting zugeschnitten werden. Basi


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