Homeoffice erhöht Risiko für Nacken- und Rückenbeschwerden – gute Ergonomie bleibt entscheidend
Eine gemeinsame Untersuchung von IPA und IFA der DGUV zeigt, dass mobile Bildschirmarbeit – insbesondere im Homeoffice – tendenziell mit stärkeren Muskel-Skelett-Beschwerden verbunden ist als vergleichbare Bildschirmarbeit im Büro. Zwischen September 2023 und April 2024 wurden 1.064 Beschäftigte im Alter von 20 bis 64 Jahren befragt, die täglich mindestens vier Stunden am Bildschirm arbeiteten. (Haufe.de News und Fachwissen)
Besonders auffällig waren Beschwerden im Nacken und unteren Rücken. Beschäftigte mit mobiler Arbeit hatten gegenüber Beschäftigten, die ausschließlich im Büro arbeiteten, ein höheres Risiko für neu auftretende Schmerzen im unteren Rücken und für zunehmende Nackenschmerzen. Insgesamt berichteten 15 Prozent der Befragten über neu entstandene Schmerzen und 19 Prozent über eine Zunahme bestehender Beschwerden in mindestens einer untersuchten Körperregion seit Beginn der Pandemie. (DGUV)
Die häufigsten Beschwerden traten im unteren Rücken und Nacken auf. Im Vergleich zur Zeit vor der Pandemie sank die Prävalenz von Beschwerden im unteren Rücken zwar von 49,1 auf 42,4 Prozent, während Nackenbeschwerden mit 40,4 Prozent unverändert blieben. Schulterbeschwerden stiegen leicht von 27,1 auf 28,6 Prozent und Beschwerden an Unterarm beziehungsweise Ellenbogen von 6,9 auf 8,4 Prozent. Auf individueller Ebene zeigte sich damit ein differenziertes Bild: Im unteren Rücken nahm die Schmerzintensität bei 20 Prozent ab, in den meisten anderen Körperregionen wurden dagegen häufiger Verschlechterungen als Verbesserungen festgestellt. (DGUV)
Dabei hat sich die Ausstattung vieler Homeoffice-Arbeitsplätze seit der Pandemie deutlich verbessert. 72 Prozent der Befragten verfügten zum Untersuchungszeitpunkt über einen guten oder optimalen mobilen Arbeitsplatz. 69 Prozent nutzten eine geeignete Sitzgelegenheit mit korrekt eingestelltem höhenverstellbarem Bürostuhl, 76 Prozent einen externen Bildschirm und 78 Prozent eine externe Tastatur und/oder Maus. Rund die Hälfte hatte ihre Ausstattung während der Pandemie verbessert. (Haufe.de News und Fachwissen)
Diese Verbesserungen beseitigen die Risiken jedoch nicht automatisch. Eine schlechtere ergonomische Ausstattung verdoppelte im Vergleich zu einem gut oder optimal eingerichteten Arbeitsplatz die Wahrscheinlichkeit für neu auftretende Schmerzen im Nacken oder oberen Rücken. Fehlten externer Bildschirm, Tastatur oder Maus, erhöhte sich ebenfalls das Risiko – unter anderem verdoppelte sich die Wahrscheinlichkeit für zunehmende Schmerzen im unteren Rücken, besonders bei Personen mit höherem Body-Mass-Index. (DGUV)
Weitere Risikofaktoren waren lange tägliche Bildschirmzeiten, die berufliche Nutzung des Smartphones über reine Telefonate hinaus sowie eine fehlende regelmäßige Teilnahme an der angebotenen arbeitsmedizinischen Vorsorge. Zusätzlich zur Muskel-Skelett-Belastung weist der Haufe-Beitrag auf die sogenannte digitale Augenbelastung bzw. das Computer Vision Syndrome hin, zu dem beispielsweise trockene oder brennende Augen, Sehprobleme und Kopfschmerzen gehören. (Haufe.de News und Fachwissen)
Für Arbeitgeber folgt daraus, dass Homeoffice nicht lediglich technisch ermöglicht werden sollte. Beschäftigte sollten wissen, wie Stuhl, Tisch und Bildschirm ergonomisch eingestellt werden und möglichst mit externem Monitor, Tastatur und Maus arbeiten. Die DGUV empfiehlt, längere Arbeit mit Smartphone oder Touchpad möglichst zu vermeiden und Beschäftigte regelmäßig für eine ergonomische Arbeitsplatzgestaltung sowie geeignete arbeitsmedizinische Vorsorge zu sensibilisieren. (DGUV)
Bei der Interpretation ist zu beachten, dass die Beschwerden retrospektiv per Selbstauskunft für die Zeit vor der Pandemie mit dem aktuellen Zustand verglichen wurden. Die Untersuchung zeigt daher Zusammenhänge und Risikofaktoren, beweist aber nicht, dass Homeoffice allein die jeweiligen Beschwerden verursacht hat. Zudem hatte mehr als die Hälfte der Teilnehmenden einen Hochschulabschluss, sodass die Stichprobe nicht zwingend die gesamte Erwerbsbevölkerung abbildet. (DGUV)
Auf den Punkt gebracht: Homeoffice ist nicht zwangsläufig ungesund, aber die Arbeitsbedingungen entscheiden. Schlecht ausgestattete mobile Bildschirmarbeitsplätze, lange Bildschirmzeiten und die Arbeit ohne externen Monitor, Tastatur oder Maus erhöhen vor allem das Risiko für Nacken- und Rückenbeschwerden deutlich. Eine gute ergonomische Ausstattung reduziert diese Risiken, reicht allein aber nicht aus: Arbeitsplatzgestaltung, Arbeitsorganisation, Wissen über Ergonomie und arbeitsmedizinische Vorsorge müssen zusammenspielen. (DGUV)
