PFAS-Alternativen: Der Umstieg ist in vielen Anwendungen möglich – Regulierung ganzer Stoffgruppen soll problematische Ersatzstoffe verhindern
PFAS, also per- und polyfluorierte Alkylsubstanzen, werden wegen ihrer hohen Beständigkeit gegenüber Wasser, Fett, Hitze und chemischem Abbau in zahlreichen Produkten und industriellen Anwendungen eingesetzt. Genau diese Stabilität macht sie jedoch problematisch: Viele PFAS bauen sich in der Umwelt kaum ab, können sich über lange Zeiträume anreichern und werden deshalb häufig als „Ewigkeitschemikalien“ bezeichnet. Vor diesem Hintergrund nimmt der regulatorische Druck in Europa weiter zu. (Haufe.de News und Fachwissen)
Ein wichtiger Wandel besteht darin, dass nicht mehr nur einzelne problematische Chemikalien reguliert werden sollen. Früher führte ein Verbot einzelner Stoffe häufig dazu, dass Unternehmen auf chemisch ähnliche Substanzen auswichen, die später ebenfalls als problematisch erkannt wurden. Bei PFAS verfolgt die EU deshalb stärker einen gruppenbezogenen Ansatz. Der seit 2023 diskutierte Beschränkungsvorschlag im Rahmen der europäischen Chemikalienverordnung REACH könnte große Teile der PFAS-Stoffgruppe erfassen und damit auch verhindern, dass ein reguliertes PFAS lediglich durch ein verwandtes ersetzt wird. (Haufe.de News und Fachwissen)
Eine solche Beschränkung würde nicht zwangsläufig bedeuten, dass sämtliche PFAS von einem Tag auf den anderen verboten werden. Vorgesehen sind beziehungsweise diskutiert werden Übergangsfristen von bis zu zwölf Jahren sowie Ausnahmen für Anwendungen, bei denen technisch geeignete Alternativen derzeit fehlen. Dies soll insbesondere Branchen Zeit geben, in denen bestimmte PFAS-Funktionen bislang nur schwer ersetzt werden können. (Haufe.de News und Fachwissen)
Für viele Alltagsanwendungen existieren nach Einschätzung von Prof. Dr. Dirk Bunke vom Öko-Institut bereits Alternativen. Backpapier kann vollständig PFAS-frei hergestellt werden, und für wasserabweisende Outdoorbekleidung stehen beispielsweise Wachse oder Silikone zur Verfügung. Schwieriger ist die Substitution bei technisch anspruchsvollen Anwendungen, etwa bei bestimmten Dichtungen in der chemischen Industrie, bei denen extreme Temperatur- und Chemikalienbeständigkeit gefordert ist. Dennoch geht Bunke davon aus, dass sich langfristig für den weit überwiegenden Teil der Anwendungen Ersatzlösungen finden lassen. (Haufe.de News und Fachwissen)
Dabei reicht es nicht aus, PFAS lediglich durch irgendeinen anderen Stoff zu ersetzen. Entscheidend ist, dass die Alternativen insgesamt sicherer und nachhaltiger sind. Andernfalls besteht die Gefahr einer sogenannten „regrettable substitution“: Ein problematischer Stoff wird ersetzt, später stellt sich jedoch heraus, dass sein Ersatzstoff ähnliche oder neue Gesundheits- und Umweltprobleme verursacht. Deshalb müssen Alternativen hinsichtlich Funktionalität, Umweltverhalten, Gesundheitswirkungen und Lebenszyklus betrachtet werden.
Auch Verbraucherinnen und Verbraucher können den Wandel unterstützen. Eine steigende Nachfrage nach PFAS-freien Produkten erhöht für Hersteller den wirtschaftlichen Anreiz, entsprechende Lösungen anzubieten. Umweltsiegel und transparente Produktinformationen können dabei Orientierung geben. Der Artikel betont jedoch, dass freiwillige Nachfrage allein nicht ausreicht. Etablierte Chemikalien besitzen häufig erhebliche Preis- und Marktvorteile gegenüber neu entwickelten Ersatzstoffen. (Haufe.de News und Fachwissen)
Daher kommt der Politik eine wichtige Rolle zu. Neben regulatorischen Vorgaben können Förderprogramme und Innovationsunterstützung dazu beitragen, neue Stoffe und Verfahren schneller marktfähig zu machen. Für Unternehmen steht mit ChemSelect zudem ein vom Umweltbundesamt angebotenes Instrument zur Verfügung, das bei der Bewertung und Auswahl möglichst nachhaltiger Chemikalien unterstützen soll. (Haufe.de News und Fachwissen)
Für Unternehmen bedeutet die Entwicklung, dass PFAS nicht erst dann betrachtet werden sollten, wenn eine konkrete Beschränkung verbindlich wird. Sinnvoll ist es bereits jetzt, Anwendungen und Lieferketten zu prüfen, PFAS-haltige Materialien zu identifizieren, technisch mögliche Alternativen zu bewerten und Substitutionsprojekte frühzeitig zu starten. Denn neben gesetzlichen Beschränkungen können künftig auch Verfügbarkeit, Preise, Kundenanforderungen und Haftungsrisiken den Einsatz von PFAS erschweren. (Haufe.de News und Fachwissen)
Auf den Punkt gebracht: Der weitgehende Ersatz von PFAS ist technisch grundsätzlich möglich, aber nicht für jede Anwendung sofort. Die entscheidende Herausforderung besteht darin, nicht nur PFAS-freie, sondern tatsächlich sicherere und nachhaltigere Alternativen zu finden. Die geplante Regulierung ganzer Stoffgruppen soll verhindern, dass ein problematisches PFAS lediglich durch ein ähnlich kritisches ersetzt wird. Unternehmen sollten deshalb frühzeitig prüfen, wo PFAS eingesetzt werden und welche Substitutionsmöglichkeiten bestehen. Regulierung, Innovation, Förderung und Nachfrage müssen dabei zusammenspielen. (Haufe.de News und Fachwissen)
